NAS Eigenbau Teil 2: Software

NAS Eigenbau Teil 2: Software

Dieser Beitrag ist Teil 2 von 7 in der Artikelreihe NAS Eigenbau Leitfaden

Wenn du dich für ein NAS-System im Eigenbau entschieden hast, musst du dir zunächst überlegen, welche Software zum Einsatz kommen soll. Davon abhängig ist dann die Hardware, da je nach eingesetzter Software der Bedarf an Arbeitsspeicher unterschiedlich ausfällt.

Kann ich das NAS nicht auch ohne spezielle Software konfigurieren?

Die Antwort ist: ja. Du kannst z. B. Debian oder Ubuntu (oder ein anderes OS deiner Wahl) installieren und alle Einstellungen im System selbst tätigen. Denn das NAS ist nichts anderes als ein Netzwerkspeicher, auf den du von anderen Geräten zugreifen willst. Alle Funktionen, die du dafür benötigst, bringt jedes Betriebssystem bereits mit. Die NAS-Software ist grob gesagt nichts anderes als die Bündelung aller relevanten Einstellungen im Betriebssystem, um Dateien im Netzwerk bereitzustellen und Rechte zu verwalten. Du kannst also auch ohne einen Softwareaufsatz SAMBA-Freigaben erstellen und Benutzerrechte setzen.

Der Vorteil der NAS-Software ist jedoch die einfache Bedienbarkeit und die Bündelung aller relevanten Funktionen in einer Oberfläche. Das macht die Einrichtung sehr einfach. Auf Ebene des Betriebssystems musst du alle Funktionen einzeln einrichten. Gerade für Anfänger ist das nicht leicht und wird daher viel länger dauern. Genau deshalb ist der Einsatz einer NAS-Software empfehlenswert. Im Folgenden stelle ich die beiden verbreitesten Systeme TrueNAS (bis 2020 FreeNAS) und Openmediavault vor.

TrueNas (ehem. FreeNAS)

TrueNAS hieß bis 2020 noch FreeNAS und ist ein zugeschnittenes OpenSource NAS-System, das frei heruntergeladen werden kann. Es ist das umfangreichste NAS-Betriebssystem und bietet mehr und tiefere Einstellungsmöglichkeiten als Openmediavault. Wichtig zu wissen hierbei ist, dass es nicht auf Linux, sondern auf FreeBSD basiert. Das heißt bekannte Linuxkommandos können hier nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden. Das anpassen auf der Kommandozeile ist damit nicht oder nur teilweise möglich. Auf der anderen Seite ist das System so ausgelegt, dass dies auch nicht notwendig ist. Als Nutzer muss man sich auf jeden Fall mit FreeBSD vertraut machen und verstehen wollen wie FreeBSD arbeitet. Anwendungen wie z. B. Nextcloud werden hier in Dockern, sogenannten Jails gestartet. Jedes Jail ist dabei ein kleine Version von FreeBSD, wodurch jeder Jail einzeln gestartet und beendet werden kann. Jedes Jail benötigt jedoch auch zusätzliche Hardwareressourcen. Und damit sind wir auch schon beim größten Nachteil. TrueNAS benötigt mindestens 8 GB Arbeitsspeicher. Die Entwickler empfehlen sogar 16 GB für eine hohe Performance. Wer Virtualisierung (also Jails) nutzen möchte, sollte hingegen schon mit 32 GB rechnen.

Um sich mit dem System vertraut zu machen, bietet TrueNAS eine gute und umfangreiche Dokumentation. Diese fällt bei Openmediavault schmaler aus.

Openmediavault

Openmediavault (OMV) ist streng genommen kein eigenes Betriebssystem, sondern eine Erweiterung für Debian. Das heißt eine OMV Installation bringt ein vollständiges Debian mit, das auch über die Kommandozeile bedient und konfiguriert werden kann. OMV hat einige nützliche Erweiterungen, jedoch wesentlich weniger als TrueNAS. Doch das ist auch nicht notwendig. Wer sich an die Kommandozeile traut (und das ist bei OMV ohnehin in geringen Maßen notwendig) kann Erweiterungen einfach manuell nachinstallieren. So ist es z. B. möglich Nextcloud auf einem OMV-Server zu betreiben obwohl OMV keine eigene Nextcloud-Erweiterung mitbringt.

OMV hat nur die notwendigen Funktionen und ist daher besonders für Einsteiger geeignet. Die Kehrseite des überschaubaren Funktionsumfangs ist jedoch, dass du besonders spezifische Funktionen nicht über die Benutzeroberfläche einstellen kannst und du daher auf die Kommandozeile zurückgreifen musst. Folgst du meiner Anleitung, wirst du jedoch schnell merken, dass dies nicht schwierig ist und dass du Einstellungen relativ schnell über die Kommandozeile erledigen kannst.

Für Mac Nutzer dürfte interessant sein, dass Openmediavault kompatibel mit der TimeMachine Funktion aus macOS ist und als Speicherziel für diese fungieren kann.

Meine Wahl

Da ich nur einen einfachen Netzwerkspeicher benötige und dieses Projekt außerdem mein erstes NAS-System ist, habe ich mich für Openmediavault entschieden. Ich bevorzuge eine einfache Benutzeroberfläche mit den wichtigsten Einstellungen. Aufgrund des vollwertigen Debians ist es mir außerdem möglich den Server um praktisch jede beliebige Funktion zu erweitern. So ist es denkbar, dass ich später neben OMV noch z. B. Nextcloud, einen PiHole einen Mailserver und weitere Anwendungen installieren kann. Diese Flexibilität steht bei mir klar im Vordergrund. Bei TrueNAS/FreeBSD ist diese Flexibilität nicht gegeben, da ich darauf angewiesen bin, dass Software für FreeBSD umgesetzt ist, sofern TrueNAS keine Erweiterung für eine bestimmte Funktion bietet. Außerdem ist der Anschaffungspreis der Hardware geringer, da OMV weniger Hardwareressourcen benötigt.

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