Privatsphäre in der digitalen Welt

Privatsphäre in der digitalen Welt

Wir hinterlassen täglich Spuren und persönliche Daten im Internet. Bewusst mit Angaben in Profilen von sozialen Netzwerken und anderen Plattformen, unbewusst durch das Anklicken von Links und Werbung oder durch die Nutzung von Suchmaschinen. Die Daten werden vor allem von den größten Internetkonzernen ausgewertet und für die eigenen Geschäftsmodelle und Produkte eingesetzt und damit kapitalisiert. Das hat auch einen Einschnitt in unserer Privatsphäre zur Folge, ohne dass wir das direkt bemerken oder als Problem wahrnehmen. In diesem Beitrag versuche ich die Nachteile des Datenkapitalismus zu beleuchten. Ich versuche aufzuzeigen, warum es wichtig ist sich über die Privatsphäre im Internet Gedanken zu machen und warum es erstrebenswert ist nicht die großen Internetmonopole zu nutzen und damit auch nicht zu unterstützen.

Das Internet

Wir nutzen das Internet inzwischen Tag für Tag. Kommunikation, Einkaufen, Banking und Steuerung technischer Geräte und Einrichtungen sind nur einige Beispiele des alltäglichen Komforts. Das World Wide Web wurde 1989 bis 1991 am CERN von Tim Berners-Lee und Robert Cailliau entwickelt und ohne Lizenzierung und Patentanmeldung zur freien Verfügung gestellt. Der Verzicht auf Profit führte mitunter zur schnellen Verbreitung und trug zur heutigen Bedeutung bei. Tim Berners-Lee kritisiert die durch das Internet entstandenen Geschäftspraktiken und die Monopole, die das Internet kontrollieren. Er hat 2018 eine Magna Carta veröffentlicht, in der er seinen Traum eines neutralen und fairen Internets festhält:

Eine Welt, zu der alle Menschen Zugang haben, in der alle Menschen gleiche Rechte besitzen, in der Recht und Gerechtigkeit herrschen und Gewinnmaximierung nicht die herrschende Maxime des Handelns ist.

— Frankfurter Allgemeine Zeitung zum Manifest von Tim Berners-Lee [Link]

Das Internet der Gegenwart funktioniert zumindest in großen Teilen nach einem anderen Prinzip. Da der Zugang zu den meisten Webseiten nicht bezahlt werden muss, verursachen Webseiten Kosten. Server müssen bereitgestellt werden und verbrauchen aufgrund der Kühlung viel Strom. Während produzierende Unternehmen ihre Webseiten und Dienste problemlos aus ihren Gewinnen finanzieren können, müssen andere die Kosten für den Betrieb von Servern, Diensten, Internetseiten und (Social Media) Plattformen mit anderen Mitteln einnehmen. Und diese Mittel sind häufig Werbeanzeigen. Aus Werbeanzeigen auf Webseiten ist ein ganzes Geschäftsmodell entstanden, das so lukrativ ist, das sich dadurch Monopole wie Facebook und Google gebildet haben.

Hyperscaling

Durch die Verwendung des Internets sind einige wenige Monopolunternehmen entstanden, die ihre Marktmacht schamlos ausnutzen und große Gewinne mit ihren Geschäftsmodellen machen. Diese Unternehmen sind sogenannte Hyperscaler, die ihr Geschäftsmodell mit vergleichsweise wenig Aufwand und Ressourcen extrem skalieren können. Ein Beispiel dafür ist Facebook. Facebooks Plattform hat rund 2,5 Milliarden Nutzer, macht einen Umsatz von über 70 Milliarden US-Dollar und beschäftigt dafür nur rund 52.000 Mitarbeiter. Zum Vergleich: Der Industriekonzern Siemens macht etwa einen Umsatz von 58 Milliarden Euro, beschäftigt aber auch rund 300.000 Mitarbeiter. Das heißt der Umsatz pro Mitarbeiter ist bei reinen Internetkonzernen sehr viel größer als bei Industrieunternehmen.

Durch das Hyperscaling können diese Unternehmen sehr viel schneller expandieren und neue Geschäftsfelder erschließen bzw. neue Entwicklungen mit sehr viel Geld finanzieren. Das verstärkt ihre Monopolstellung auch langfristig, da Konkurrenten nicht mithalten und Start-Ups einfach aufgekauft werden können. So entstehen Megakonzerne, zu denen viele Marken und Tochtergesellschaften gehören, die wir auf den ersten Blick nicht mit diesen Firmen in Verbindung bringen.

Die fünf größten Konzernriesen aus den USA sind solche Hyperscaler und damit die modernen Supermächte des Internets. Gemessen an ihrer Marktkapitalisierung sind sie unter den Top 10 Unternehmen der Welt. Die Big 5, das sind Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft, abgekürzt mit dem Akronym GAFAM, sind Teil des Lebens von vielen Milliarden Menschen auf der ganzen Welt. Ihr Geschäftsmodell basiert heute – nicht ausschließlich, aber zum großen Teil – auf den Daten der Internetnutzer. Sie haben damit das größte neue Geschäftsfeld des 21. Jahrhunderts erfunden. Denn die Nutzerdaten sind das digitale Kapital dieser Internetkonzerne. Der daraus entstandene Datenkapitalismus steht jedoch im Widerspruch zur Privatsphäre. Doch Warum?

Datenkapitalismus

Schnell mit der Suchmaschine den gewünschten Dienst finden, anklicken, anmelden und schon bist du Kunde auf einer Plattform, die einen Mailaccount, Cloudspeicher, Bürosoftware und viele weitere Dienste anbietet. Und dafür musst du als Nutzer nicht einmal Geld bezahlen. Solche vermeintlich kostenlosen Dienste gibt es auf vielen Plattformen im Internet.

Google und Facebook sind nur die beiden größten und bekanntesten Anbieter, die ihre Dienste für Privatkunden unentgeltlich anbieten. Ich schreibe hier bewusst nicht „kostenlos“, da es schlicht falsch wäre. Die Nutzung von Facebook, der Google-Suchmaschine oder anderer Dienste wie Google Drive bezahlen die Nutzer mit ihren Daten. Man könnte auch sagen, dass sie ihre Privatsphäre gegen die unentgeltliche Nutzung dieser Dienste eintauschen. Die gesammelten Daten werden mit Algorithmen und zunehmend mit komplexer künstlicher Intelligenz ausgewertet und zu einem Nutzerprofil zusammengestellt. So wissen die Unternehmen z. B. über deine Vorlieben Bescheid, dein Geschlecht, dein Alter, deine sexuelle Orientierung, ob du Single bist oder in einer Partnerschaft lebst, was du isst, wo du lebst, ob und wohin du gerne reist und seit dem Siegeszug des Smartphones auch jederzeit wo du dich aufhältst. Das geht so weit, dass Google es mitbekommt, wenn du nicht zu Hause übernachtest und deinem Partner untreu bist.

Die Ortung deines Smartphones funktioniert dabei selbst dann, wenn GPS ausgeschaltet ist. Über deine Mobilfunkverbindung kann dein Standort ziemlich genau bestimmt werden und das auch ohne SIM-Karte. Dies ist für die Notruffunktion notwendig. Google nutzt das z. B. aus und speichert die Ortungsdaten auch ohne GPS, um ein Bewegungsprofil von jedem Nutzer zu erstellen [siehe Link].

Daten und Werbeanzeigen

Das gesammelte Datenkapital wird zum einen an Werbekunden verkauft, die Werbung an dich ausliefern und das unabhängig von der Webseite auf der du dich gerade befindest. Ob auf Seiten von Zeitungen, Facebook selbst oder auf einem privaten Blog, der Werbung einblendet. Die Unternehmen rollen Werbung auf deine gesamte Onlineerfahrung aus und beeinflussen so unterschwellig und ohne, dass es dir bewusst ist, dein Kaufverhalten. Mit Cookies kann dabei dein Surf- und Klickverhalten auch über Webseiten hinweg verfolgt werden, um so ein Profil zu erstellen.

Amazon wertet das Klickverhalten ebenso aus, um seine Kunden zu durchleuchten und vorherzusagen, was sie als nächstes kaufen werden. So kann Amazon passende Vorschläge machen und Kunden unterbewusst schneller zum nächsten Kauf bewegen.

Auch Microsoft sammelt Daten. Neben den Daten aus ihrer Suchmaschine bing, verbindet sich vor allem Windows 10 sehr häufig mit Microsoft-Servern, um Daten zu senden. Was Microsoft dabei alles abfragt, ist nicht genau bekannt. Besonders der Sprachassistent Cortana muss jedoch viel über dich als Nutzer wissen, damit er zuverlässig funktionieren kann. Das gilt natürlich ebenso für die Sprachassistenten Alexa, Siri und Google.

Nicht nur bei kostenlosen Diensten, sondern auch alle Streaming-Anbieter wie Netflix, Spotify, Disney, Apple usw. erhalten durch dein Streamingverhalten viele Informationen, die sie mit KI auswerten. Auch wenn du diese Dienste bezahlst erhalten die Unternehmen wertvolle Informationen über dich als Kunden, die sie für ihre Produkte nutzen können.

Dies sind nur einige kurze Beispiele, in denen die großen Konzerne Daten abgreifen und kapitalisieren. Neben den hier genannten größten Internetkonzernen gibt es viele weitere Firmen, die das gleiche Geschäftsmodell verfolgen. Im Kern kann man jedoch festhalten, das Internetnutzer durchleuchtet werden und es dadurch ein wirklich selbstbestimmtes Konsumverhalten nicht gibt. Auch wenn es sich die wenigsten eingestehen werden, so ist ihr Kaufverhalten sehr stark von ihrem Internetkonsum beeinflusst. Manchmal bewusst durch Influencer, manchmal unterschwellig durch Werbung und die personalisierte Onlineerfahrung.

Psychologische Nutzerprofile

Zum anderen wird die Onlineerfahrung zunehmend personalisiert. So erhält jeder Nutzer bei gleichem Suchbegriff andere Suchergebnisse bei Google. Auf Facebook werden Beiträge und Werbung entsprechend des Klickverhaltens auf jeden Nutzer personalisiert ausgegeben. Dies sind nur zwei Beispiele für psychological targeting. Habe ich bisher nur Werbung und Konsum angesprochen, gibt es noch weitaus kritischere Felder, in denen psychological targeting zum Problem werden kann. So ist die erhöhte Verbreitung von Fake News das Ergebnis von personalisierter Onlineerfahrung. Auch das durch Corona bedingte Erstarken von Verschwörungstheorien wäre ohne psychological targeting in diesem Ausmaß nicht möglich gewesen. Dabei werden mit Algorithmen die Persönlichkeit eines Nutzers und dessen Verhalten vorhergesagt und passende Dinge im Facebook Feed oder in der Google-Suche präsentiert.

Das folgende Video beschäftigt sich mit dem psychological targeting und gibt viele weitere Beispiele, wo dieses Verfahren eingesetzt wird und welche Auswirkungen das langfristig haben kann.

Die Folge personalisierter Onlineerfahrung ist eine Filterblase: Nutzer erhalten potentiell immer mehr Suchergebnisse oder Empfehlungen, die ihre Denkweise und damit ihr Weltbild immer wieder bestätigt. Menschen, die z. B. für Verschwörungstheorien empfänglich sind, werden so in ihrem Glauben daran mit der Zeit bestärkt.

Die Algorithmen arbeiten auf diese Weise, weil Menschen logischerweise viel häufiger auf Inhalte klicken, die sie interessieren und die ihrem Weltbild entsprechen. Mit dieser Filterblase generieren die Plattformen also Klicks und halten die Nutzer auf ihren Plattformen. Die Nutzer verbringen so mehr Zeit auf den Social Media Plattformen bzw. den Online-Angeboten. Das ist wiederum mehr Zeit, um Werbung anzuzeigen und das psychologische Profil des Nutzers weiter zu verfeinern. Mit jeder ausgespielten Werbung verdienen die Plattformbetreiber Geld. Die Algorithmen arbeiten also auf diese Weise, um den Profit der Unternehmen zu maximieren und das Kapital der Daten weiter auszuschöpfen.

Eine sehr empfehlenswerte Netflix-Dokumentation über die Geschäftspraktiken der großen Internetriesen und die Kehrseite des Datenkapitalismus findest du unter dem Titel „The Social Dilemma„.

Die Nutzung von Werbung und des psychological targeting wird jedoch nicht nur für Werbung von Produkten genutzt. Sie wird auch gezielt missbraucht, um politische Interessen zu lenken und Entscheidungen zu beeinflussen. Ein Beispiel hierfür ist sicherlich der Fall Cambridge Analytica beim US-Wahlkampf 2016.

Ein weiterer Fall ist der Brexit in Großbritannien. Eine Reportage des WDR über den Brexit zeigt, dass gezielte Desinformationskampagnen auf Social Media Plattformen die Stimmung in Großbrittanien für einen harten Brexit maßgeblich befeuerten. Durch den dadurch steigenden öffentlichen Druck, trat Theresa May zurück und Boris Johnson konnte ihren Platz einnehmen, um den harten Brexit-Kurs zu verfolgen. Die Nutzer und in diesem Fall die Wähler werden also auf diese Weise durch Werbung und Anzeigen gezielt manipuliert. Dies unterläuft den demokratischen Grundgedanken und lässt die Geldgeber solcher Kampagnen die Politik eines Landes nach ihren Vorstellungen lenken (Ab Minute 13:30).

Psychologische Nutzerprofile und gezielte Werbung ist also nicht nur harmloser Konsumanreiz, sondern kann auch manipuliert und missbraucht werden. So können wenige Reiche Politik und Gesellschaft gezielt beeinflussen und missbrauchen dazu die Bevölkerung.

Die Geschäftsmodelle der Big 5 im Überblick

Die großen 5 Internetkonzerne aus den USA haben großen Einfluss auf die heutige Nutzung des Internets. Trotzdem verfolgen sie nicht alle das gleiche Geschäftsmodell. Um grundsätzlich ein Verständnis für die Verwendung des Datenkapitals dieser Unternehmen zu bekommen, ist es wichtig deren Geschäftsmodelle grob zu verstehen.

Google

Google ist der Inbegriff einer Datenkrake und wird mit Abstand am häufigsten dafür in der Öffentlichkeit kritisiert. Dies ist nicht unberechtigt, da Google für Privatnutzer zunächst alles unentgeltlich anbietet. Die riesigen Gewinne kann Google nicht mit den wenigen Hardwaregeräten erzielen, die sie inzwischen anbieten (Google Pixel Smartphone, Chromebook, Sprachassistent). Daher hat Google das Datentracking über viele Webseiten hinweg mit Google Analytics und Google Ads großflächig perfektioniert. Google betreibt daher wahrscheinlich (nachprüfen lässt sich das nicht) mit Abstand das umfangreichste Tracking der Internetnutzer über viele Internetseiten und -plattformen hinweg. Dabei hat Google zahlreiche Werbepartner, die für den hohen Umsatz von Google mitverantwortlich sind. Sichtbar werden die Werbepartner besonders auf Googles Videoplattform YouTube.

Ein zweites großes Geschäftsfeld ist inzwischen das CloudComputing, das vor allem für Business-Kunden relevant ist. Das Vermieten von großen Speicherkapazitäten sorgen im Zeitalter der voranschreitenden Digitalisierung für hohe Umsätze. Die Vorteile für Kunden sind schnell erklärt: Der Aufbau und die Unterhaltung von Serverfarmen ist aufwendig, teuer und erfordert Expertise. Für Industrieunternehmen ist es wirtschaftlicher und einfacher diese Aufgabe an einen großen Anbieter wie Google auszulagern.

Amazon

Amazon betreibt einen Onlineshop, in dem auch immer mehr Produkte des alltäglichen Bedarfs zu finden sind. Das Ziel ist wohl die Entwicklung hin zu einem Shop und Lieferanten für Produkte aller Lebensbereiche. Amazon ist in diesem Bereich ein unangefochtenes Monopol in der westlichen Welt, mit dem fast nur Alibaba aus China konkurrieren kann.

Mit Amazon Web Services (AWS) gehört Amazon ebenfalls zu den größten Cloudanbietern weltweit. Viele Unternehmen nutzen AWS als Plattform für Big Data. So z. B. Siemens mit ihrer Industrie IoT-Plattform Mindsphere. Hiermit generiert Amazon ebenfalls große Umsätze.

Facebook

Facebooks Geschäft basiert hauptsächlich auf ihren Social Media Plattformen Facebook und die aufgekauften Plattformen Instagram und WhatsApp. Die Umsätze generiert Facebook daher größtenteils aus Werbeeinnahmen. Somit sind neben Google auch gerade für Facebook die Nutzerdaten ihr zentrales Kapital. Ohne die Nutzerdaten würde Facebook heute wahrscheinlich nicht in der Form existieren.

Apple

Apple ist vielleicht der einzige Konzern unter den fünf, der nicht auf die Daten seiner Nutzer angewiesen ist, um Gewinne zu erwirtschaften. Tatsächlich bekräftigt das Unternehmen entgegen aller Kritik immer wieder, dass Apple Datenschutz ganz groß schreibt und die Nutzerdaten nicht kommerziell nutzt. Die Gewinne von Apple kommen bisher auch hauptsächlich aus dem Verkauf von iPhones, iPads, Macs und den anderen bekannten Produkten des Unternehmens. Auf der anderen Seite steigt auch Apple zunehmen in das Software-as-a-Service (SaaS) Geschäft ein. So hat Apple einen eigenen Streamingdienst gestartet, wodurch weitere Daten anfallen, bei denen eine Auswertung natürlich lohnt. Etwa, um Inhalte nach den Interessen der Konsumenten zu produzieren. Auffällig ist außerdem, das alle Geräte von Apple sehr häufig eine Verbindung zu den Servern von Apple aufbauen und Daten senden. Daher kann man nicht davon ausgehen, dass Apple kein Interesse an den Daten seiner Nutzer hat.

Microsoft

Auch Microsoft erwirtschaftet einen Teil seiner Gewinne durch den Verkauf von Produkten. So fallen für Unternehmen hohe Kosten für die Verwendung des Office Paketes an. Auch Windows 10 kostet Geld. Die Surface-Produkte generieren weitere Einnahmen und stehen Apple mit den Preisen in nichts nach.

Mit Azure betreibt auch Microsoft eine riesige Cloud-Plattform, die Businesskunden für Big Data nutzen können. Microsoft ist neben Google und Amazon der dritte große Anbieter für CloudComputing.

Jeder hat etwas zu verbergen

Jetzt könnte man sagen, dass das ganze Datensammeln ja gar nicht so schlimm sei – schließlich geht es am Ende nur um Werbung und Profiling und immerhin kann jeder seinen Konsum auf Wunsch auch selbst beeinflussen und sich versuchen der Werbung zu entziehen. Auf der anderen Seite kann man dafür sehr viele bequeme und praktische Dienste nutzen. Bestimmt kennen viele auch folgende Aussage:

Ich habe ja nichts zu verbergen

Diesen Satz sagen viele Menschen, wenn man sie mit dem Thema des Datenschutzes und der digitalen Privatsphäre konfrontiert, die sie für die bequeme Nutzung der Dienste von Internetgiganten wie Google aufgeben.

Doch jeder Mensch hat etwas zu verbergen, nur sind sie sich dessen vielleicht gar nicht bewusst. Das Problem ist, dass die meisten nicht wissen, was heute schon technisch möglich ist und auch gemacht wird.

Anhand der Daten, die wir täglich im Internet hinterlassen, werden schon jetzt Menschen benachteiligt bzw. deren Unwissenheit ausgenutzt. Ein paar Beispiele:

  1. Einige Online-Shops zeigen höhere Preise, wenn mit einem Mobilgerät statt vom Computer eingekauft wird [Link].
  2. Einige Reiseportale zeigen Mac Nutzern teurere Preise als Windows Nutzern an [Link].
  3. Schwangere Frauen werden anhand ihres Einkaufsverhaltens erkannt, um passende Werbung zu schalten. Damit kann selbst der ungefähre Geburtszeitpunkt berechnet werden [Link].
  4. Kredite werden in Abhängigkeit des Surfverhaltens und des digitalen Profils vergeben [Link].
  5. Bereits heute belohnen einige Krankenkassen Mitglieder, die einen Fitnesstracker nutzen und ihre Daten teilen [Link].

Dies sind nur einige Beispiele, die zeigen, welche Auswirkungen Daten bereits heute auf unser tägliches Leben haben.

Was passiert dann erst in naher Zukunft mit den Daten, die immer mehr Smartwatches und Fitnesstracker generieren? Was passiert, wenn Internetkonzerne nicht nur unser Surf- und Konsumverhalten sondern auch unseren genauen Gesundheitszustand kennen?
In weiterer Zukunft werden Smart Glasses, also mit Kamera ausgestattete Brillen für Mixed Reality Anwendungen, vielleicht massentauglich. Dann sehen die Anbieter dieser Technologie alles, was die Nutzer sehen. Daran wird deutlich, dass mit jedem neuen vernetzten Gerät neue Daten ins Internet gelangen, die die Profile der Nutzer vergrößern. Und mit mehr Daten verschwindet zunehmend unsere Privatsphäre.

Im Zusammenhang mit der Gesundheit könnten sich z. B. Raucher oder Menschen mit einer Erbkrankheit fragen, ob sie diese Dinge lieber vor dem Internet verbergen sollten. Angenommen ein Messengeranbieter oder eine Social Media Plattform weiß anhand der gesammelten Profildaten von seinen Nutzern, wer vorbelastet ist. Weiterhin angenommen in Zukunft geht eine Krankenkasse oder andere Versicherung (Lebens-/Berufsunfähigkeitsversicherung) eine Kooperation mit dem Messengerdienst ein. Dann erfährt die Versicherung von der Vorbelastung ihrer Patienten und könnte die lebensrettende Operation, Krebstherapie oder die Bezahlung notwendiger Medikamente verweigern. Oder eine Versicherung nimmt einen Interessenten sogar nur unter Auflagen auf.

Das Beispiel zeigt, warum so gut wie jeder Mensch etwas zu verbergen hat. Den allermeisten sind nur die Konsequenzen nicht bewusst, die sie durch die Daten im Internet haben können.

Interessant ist auch folgendes Video, in dem gezeigt wird wie viel sich über unbekannte Leute allein über soziale Netzwerke herausfinden lässt.

Privatsphäre im Internet – aber wie?

Du siehst, dass die Spuren unserer Internetnutzung ein Problem darstellen und in Zukunft weitere Probleme mit sich bringen wird. Aus diesem Grund sollte sich jeder mit der eigenen Privatsphäre im Internet beschäftigen. Auch wenn es nahezu unmöglich ist, den großen Softwareriesen vollständig zu entkommen, so kann jeder etwas für seinen eigenen Datenschutz tun. Für viele Produkte gibt es nichtkommerzielle oder Open-Source Alternativen und Lösungen, mit denen du nicht überwacht wirst. So musst du deine persönlichen Daten nicht an Google, Facebook, Apple, Amazon etc. für die Nutzung eines Dienstes preisgeben.

Es ist sinnvoll nicht die großen Monopole zu unterstützen, sondern auch kleinere Anbieter und Alternativen zu nutzen, da es sonst irgendwann keine Alternativen mehr zu den Monopolen gibt. Diese können ohne Konkurrenzdruck nämlich den Markt alleine nach ihren Vorstellungen formen – und das zum Nachteil von uns Nutzern. Amazon – heute aufgrund niedriger Preise erfolgreich – könnte daher in Zukunft ohne Konkurrenz die Preise für fast alle Produkte bestimmen.

Auf meiner Beitragsseite „Digitale Privatsphäre“ zeige ich dir in mehreren Beiträgen, was du tun kannst, um weniger Daten beim Internetsurfen preiszugeben und so mehr Privatsphäre und Datenschutz zu erhalten.

themaster

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Über Mich

Mein Name ist Philipp und ich beschäftige mich gerne mit Homeprojekten im Hardware- und Softwarebereich. Ich stelle dabei immer wieder fest, dass es im Internet viele unvollständige  Tutorials gibt. Daher bin ich dazu übergegangen, meine Projekte in eigenen Anleitungen festzuhalten. Diese werde ich hier möglichst verständlich und mit dem nötigen Hintergrundwissen aufbereiten. Vielleicht kann ich dabei den entscheidenden Hinweis liefern, der in vielen anderen Tutorials fehlt.

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